Polyandrie - Vielmännerehe
Immer wieder begegne ich dem Irrtum, dass Polygamie (= Mehrehe) beim Menschen automatisch mit Polygynie (= Vielfrauenehe) gleichzusetzen sei. Oft wird angenommen, dies - und nur dies - entspreche der Natur unserer Art und Religionen könnten diese Variante nur je auf männliches Drängen hin erlauben oder emanzipatorisch verbieten.
In Wirklichkeit aber gehört zu unserer Natur die Kultur, die je auf der Basis geschichtlicher Traditionen und Umweltanforderungen auch ganz unterschiedliche Familienmodelle entwickelt hat und weiter entwickelt. Die Polygynie ist in unserer Zeit zwar die häufigste Form der Mehrehe (die sich insgesamt auf dem Rückzug befindet bzw. in Formen wie Konkubinate und serielle Monogamie umgewandelt wird), aber es gab und gibt auch ungezählte andere. Hier ein Beitrag von National Geographic über Polyandrie (die Ehe mehrerer Männer mit einer Frau) in der Himalayaregion.
Und wer bei der Polygynie daran denkt, diese würde von traditionellen Religionskulturen Männern schlicht gestattet, der möge z.B. in der Bibel die Passagen über die Leviratsehe nachschlagen - vorgeschrieben nach Levitikus 18,16 und 20,21 und Deuteronomium 25,5-10, als (männerkritische!) Geschichte ausgearbeitet in Genesis 38, in dem die Polygamie Männern als Pflicht (!) zur Versorgung von Witwen auferlegt wurde (vgl. auch einen älteren Beitrag dazu hier).
Fazit
Familienstrukturen sind immer wieder darauf zu prüfen, wie sie sich auf die Situation und Würde der Beteiligten (Frauen, Männer und Kinder) auswirken. Gleichzeitig ist auch hier vor einem geschichtslosen Eurozentrismus zu warnen: Der Hintergrund mancher kulturell gewachsener Familienmodelle der Vergangenheit und Gegenwart erschließt sich erst vor dem Hintergrund der jeweiligen, sozioökonomischen Situation. Und das jeweilig dominierende Beziehungsideal (z.B. die Polygynie in einigen afrikanischen Gesellschaften islamischen und christlichen Glaubens, die serielle Monogamie in einigen säkularen, europäischen Ländern etc.) als vermeintliches "Gebot der Biologie" zu legitimieren, ist doch sehr fragwürdig. Die Sozial- und Kulturwissenschaften zeigen auf: Wir Menschen können stets auch anders, dies macht einen Teil des bisherigen Erfolges unserer Spezies aus - und überträgt uns Verantwortung.
In Wirklichkeit aber gehört zu unserer Natur die Kultur, die je auf der Basis geschichtlicher Traditionen und Umweltanforderungen auch ganz unterschiedliche Familienmodelle entwickelt hat und weiter entwickelt. Die Polygynie ist in unserer Zeit zwar die häufigste Form der Mehrehe (die sich insgesamt auf dem Rückzug befindet bzw. in Formen wie Konkubinate und serielle Monogamie umgewandelt wird), aber es gab und gibt auch ungezählte andere. Hier ein Beitrag von National Geographic über Polyandrie (die Ehe mehrerer Männer mit einer Frau) in der Himalayaregion.
Und wer bei der Polygynie daran denkt, diese würde von traditionellen Religionskulturen Männern schlicht gestattet, der möge z.B. in der Bibel die Passagen über die Leviratsehe nachschlagen - vorgeschrieben nach Levitikus 18,16 und 20,21 und Deuteronomium 25,5-10, als (männerkritische!) Geschichte ausgearbeitet in Genesis 38, in dem die Polygamie Männern als Pflicht (!) zur Versorgung von Witwen auferlegt wurde (vgl. auch einen älteren Beitrag dazu hier).
Fazit
Familienstrukturen sind immer wieder darauf zu prüfen, wie sie sich auf die Situation und Würde der Beteiligten (Frauen, Männer und Kinder) auswirken. Gleichzeitig ist auch hier vor einem geschichtslosen Eurozentrismus zu warnen: Der Hintergrund mancher kulturell gewachsener Familienmodelle der Vergangenheit und Gegenwart erschließt sich erst vor dem Hintergrund der jeweiligen, sozioökonomischen Situation. Und das jeweilig dominierende Beziehungsideal (z.B. die Polygynie in einigen afrikanischen Gesellschaften islamischen und christlichen Glaubens, die serielle Monogamie in einigen säkularen, europäischen Ländern etc.) als vermeintliches "Gebot der Biologie" zu legitimieren, ist doch sehr fragwürdig. Die Sozial- und Kulturwissenschaften zeigen auf: Wir Menschen können stets auch anders, dies macht einen Teil des bisherigen Erfolges unserer Spezies aus - und überträgt uns Verantwortung.
blume-religionswissenschaft - 15. Okt, 06:38
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks



