Am 16. Juni 2008 fand im Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestages eine öffentliche Anhörung von Sachverständigen zum Thema "Antisemitismus in Deutschland" statt. Das Wortprotokoll finden Sie
hier.
Zu den Sachverständigen gehörte auch der Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Er führte u.a. aus:
Zitat:
"In den letzten 10 bis 20 Jahren ist die Holocaust Education, so muss man leider sagen, in die völlig falsche Richtung gegangen. Das Ergebnis davon ist, dass ein Schuldkomplex erzeugt wurde, dass mit der sog. Kollektivschuld auf der Seite operiert wurde, die man erreicht hat. Was dazu geführt hat, damit sind wir auch bei der Identitätsfrage, dass wir eine zerstörte Selbstidentität haben, nicht nur bei muslimischen, sondern auch bei deutschen Jugendlichen, und das führt dann zu entsprechenden Problemen.
Ich sage immer und ganz deutlich: Es kann nicht um Schuld gehen. Das müssen wir als jüdische Gemeinschaft auch vor allen Dingen immer wieder in Diskussionen deutlich machen. Es kann nur um Verantwortung gehen. Aus dem Wissen um das, was zwischen 1933 und 1945 passiert ist, muss die Verantwortung für jeden von uns erwachsen, für jeden in dieser Gesellschaft – Juden, Nicht-Juden, Muslime, Christen, Nichtgläubige – dafür einzutreten, dass Gleiches nicht wieder geschieht, und zwar nicht nur, wenn es um
Juden geht, sondern um jede andere Form von Diskriminierung in dieser Gesellschaft."
Zitiert aus:
Wortprotokoll des Bundestages, S. 57
Anmerkung:
Es ist zu hoffen, dass die klaren Aussagen von Herrn Kramer gegenüber Bundestag und Öffentlichkeit dazu beitragen, die vagabundierenden Mythen über vermeintliche Kollektivschuldthesen des Zentralrats oder gar "der Juden" zu zerstreuen. Denn auch als Religionswissenschaftler macht man immer wieder die ernüchternde Erfahrung, dass einige Menschen mangelndes Wissen über Religionen wie das Judentum mit dumpfen Stereotypen und Vorurteilen "auffüllen".