Weblogs in der Krise? Befunde der ARD/ZDF-Onlinestudie
Die deutsche Blogosphäre ist in der Krise - so lassen sich zentrale Daten der ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 zusammen fassen, die Martin Fisch und Christoph Gscheidle im Beitrag "Mitmachnetz 2.0 - Rege Beteiligung nur in Communities" zusammen gefasst haben. Hier die Einschätzungen der befragten Online-Nutzer ab 14 Jahre:

Weblogs: Manchmal interessant, aber wenig glaubwürdig
Weblogs haben offensichtlich ein Glaubwürdigkeitsproblem: Zwar findet eine knappe Minderheit aller Befragten die angebotenen Informationen durchaus interessant, aber 71% halten Weblogs für wenig oder überhaupt nicht glaubwürdig. Deswegen trauen ihnen nur ein Drittel (33%) Konkurrenz zu professionellen, journalistischen Angeboten zu - und zwei Drittel (66%) halten Weblogs sogar für überschätzt, 34% gar für "total" überschätzt.
Einbruch der Blognutzung, vor allem unter Jüngeren
Die gelegentliche Nutzung von Weblogs durch alle Onliner ab 14 Jahren ist von 2007 auf 2008 eingebrochen: Von 11 auf 6 Prozent. Eine regelmäßige, mindestens wöchentliche Nutzung geben nur noch zwei Prozent (2007: drei) an. Frappierend auch: Nur bei 27% der jüngsten (befragten) Onlinenutzern mit 14-19 Jahren sind Weblogs überhaupt bekannt, weniger als bei den 20-29jährigen (32%) und den 30-39jährigen (30%). Der Trend geht dagegen massiv zu Online-Communities und Netzwerken: 74% (!) der 14-19jährigen Internetnutzer sind Mitglied in mindestens einer solchen, 61% haben sich ein Profil angelegt und 53% nutzen sie mindestens wöchentlich, 28% gar täglich.
Alle Hoffnung fahren lassen? Nicht unbedingt...
Bei näherer Betrachtung der Befunde lassen sich jedoch durchaus auch Hoffnungszeichen ausmachen: So dürfte auch der Erfolg der individualisierenden Online-Communities nicht zuletzt eine Welle sein, die v.a. nachwachsende Generationen an das Internet heranführt. Mit steigender Nutzungsdauer und Vielfalt der Anbieter dürften auch hier die Qualitätsanforderungen steigen - zu denen auch die zunehmende Öffnung und Verlinkung "nach außen" gehört. Ob die fast ausschließliche Begeisterung für Profile auch ein Jugendphänomen ist (Stichworte: Unterhaltung, Freunde finden, Selbstdarstellung, Identitätserprobung etc.) oder ein Leben lang hält, bleibt abzuwarten: Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte sich auch hier bei den meisten Nutzern auf Dauer eine pluralere Nutzung durchsetzen, zu der dann auch ausgewählte Blogs gehören können.
Gefragt sind: Inhalte!
Dafür sprechen auch die Befunde einer weiteren Auswertung von Birgit van Eimeren und Beate Frees zur altersbezogenen Nutzung des Netzes. Diese zeigt, dass nur 18% der 14-19jährigen das Internet "überwiegend" zur Informationssuche nutzen, 58% aber zur Unterhaltung, 24% sowohl als auch. Mit steigendem Alter steigt dann der Informationsbedarf sprunghaft an und wird schließlich klar dominant.

Und auch für das seit der Antike beliebte Jammern über die vermeintliche Inkompetenz nachwachsender Generationen besteht nicht unbedingt Anlass: So nutzen die 14 - 19jährigen Onliner zwar massiver das Internet (120 Min. / Tag) als die Onliner insgesamt (58 Min. / Tag), überwiegend zur Unterhaltung. Aber sie lesen auch häufiger Bücher: 35 Min. / Tag zu 25 Min. in der Gesamtgruppe. Massiv zurück ging dafür der Fernsehkonsum: Von 223 Min. / Tag bei allen Altersgruppen zu nur noch 100 Min. / Tag bei den 14 bis 19jährigen Onlinern.
Diese Befunde lassen sich kaum als eine pauschale Verdummung nachfolgender Generationen lesen, sondern wohl eher als eine zunehmend selbstbewusste Mediennutzung, die Angebote je nach (auch lebenslauftypischem) Bedarf aktiv auswählt, statt sich passiv berieseln zu lassen.
Fazit: Weblogs haben Zukunft wenn...
...sie weiter an ihrer Qualität arbeiten und glaubwürdig belegte Informationen anbieten. Längst gibt es z.B. auch in der deutschsprachigen Wissenschaftsblogosphäre kompetente Akteure dazu, die gute Angebote bekannt machen und Qualitätsdebatten vorantreiben.
Beispielhaft genannt seien das Webfernsehen Wisskomm oder die Blogger Marc Scheloske, Benedikt Köhler und Lars Fischer.
Letztlich gilt: Wo Suchende in der Blogosphäre verständlich aufbereitete und glaubwürdig belegte Informationen finden, werden sie diese nutzen (z.B. als Links in Diskussionen) und tendenziell wieder kommen. "Die" Blogs werden, gerade weil sie von jedermann und -frau ins Netz geworfen werden können, wohl immer ein Glaubwürdigkeitsproblem haben - man kann es auch gesunde Skepsis nennen. Aber einzelne Blogs und Bloganbieter (wie die Scilogs) erarbeiten sich schon jetzt zunehmend Anerkennung. Und können damit durchaus beachtete Beiträge zu einer zunehmend interaktiven Wissensgesellschaft leisten.

Weblogs: Manchmal interessant, aber wenig glaubwürdig
Weblogs haben offensichtlich ein Glaubwürdigkeitsproblem: Zwar findet eine knappe Minderheit aller Befragten die angebotenen Informationen durchaus interessant, aber 71% halten Weblogs für wenig oder überhaupt nicht glaubwürdig. Deswegen trauen ihnen nur ein Drittel (33%) Konkurrenz zu professionellen, journalistischen Angeboten zu - und zwei Drittel (66%) halten Weblogs sogar für überschätzt, 34% gar für "total" überschätzt.
Einbruch der Blognutzung, vor allem unter Jüngeren
Die gelegentliche Nutzung von Weblogs durch alle Onliner ab 14 Jahren ist von 2007 auf 2008 eingebrochen: Von 11 auf 6 Prozent. Eine regelmäßige, mindestens wöchentliche Nutzung geben nur noch zwei Prozent (2007: drei) an. Frappierend auch: Nur bei 27% der jüngsten (befragten) Onlinenutzern mit 14-19 Jahren sind Weblogs überhaupt bekannt, weniger als bei den 20-29jährigen (32%) und den 30-39jährigen (30%). Der Trend geht dagegen massiv zu Online-Communities und Netzwerken: 74% (!) der 14-19jährigen Internetnutzer sind Mitglied in mindestens einer solchen, 61% haben sich ein Profil angelegt und 53% nutzen sie mindestens wöchentlich, 28% gar täglich.
Alle Hoffnung fahren lassen? Nicht unbedingt...
Bei näherer Betrachtung der Befunde lassen sich jedoch durchaus auch Hoffnungszeichen ausmachen: So dürfte auch der Erfolg der individualisierenden Online-Communities nicht zuletzt eine Welle sein, die v.a. nachwachsende Generationen an das Internet heranführt. Mit steigender Nutzungsdauer und Vielfalt der Anbieter dürften auch hier die Qualitätsanforderungen steigen - zu denen auch die zunehmende Öffnung und Verlinkung "nach außen" gehört. Ob die fast ausschließliche Begeisterung für Profile auch ein Jugendphänomen ist (Stichworte: Unterhaltung, Freunde finden, Selbstdarstellung, Identitätserprobung etc.) oder ein Leben lang hält, bleibt abzuwarten: Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte sich auch hier bei den meisten Nutzern auf Dauer eine pluralere Nutzung durchsetzen, zu der dann auch ausgewählte Blogs gehören können.
Gefragt sind: Inhalte!
Dafür sprechen auch die Befunde einer weiteren Auswertung von Birgit van Eimeren und Beate Frees zur altersbezogenen Nutzung des Netzes. Diese zeigt, dass nur 18% der 14-19jährigen das Internet "überwiegend" zur Informationssuche nutzen, 58% aber zur Unterhaltung, 24% sowohl als auch. Mit steigendem Alter steigt dann der Informationsbedarf sprunghaft an und wird schließlich klar dominant.

Und auch für das seit der Antike beliebte Jammern über die vermeintliche Inkompetenz nachwachsender Generationen besteht nicht unbedingt Anlass: So nutzen die 14 - 19jährigen Onliner zwar massiver das Internet (120 Min. / Tag) als die Onliner insgesamt (58 Min. / Tag), überwiegend zur Unterhaltung. Aber sie lesen auch häufiger Bücher: 35 Min. / Tag zu 25 Min. in der Gesamtgruppe. Massiv zurück ging dafür der Fernsehkonsum: Von 223 Min. / Tag bei allen Altersgruppen zu nur noch 100 Min. / Tag bei den 14 bis 19jährigen Onlinern.
Diese Befunde lassen sich kaum als eine pauschale Verdummung nachfolgender Generationen lesen, sondern wohl eher als eine zunehmend selbstbewusste Mediennutzung, die Angebote je nach (auch lebenslauftypischem) Bedarf aktiv auswählt, statt sich passiv berieseln zu lassen.
Fazit: Weblogs haben Zukunft wenn...
...sie weiter an ihrer Qualität arbeiten und glaubwürdig belegte Informationen anbieten. Längst gibt es z.B. auch in der deutschsprachigen Wissenschaftsblogosphäre kompetente Akteure dazu, die gute Angebote bekannt machen und Qualitätsdebatten vorantreiben.
Beispielhaft genannt seien das Webfernsehen Wisskomm oder die Blogger Marc Scheloske, Benedikt Köhler und Lars Fischer.
Letztlich gilt: Wo Suchende in der Blogosphäre verständlich aufbereitete und glaubwürdig belegte Informationen finden, werden sie diese nutzen (z.B. als Links in Diskussionen) und tendenziell wieder kommen. "Die" Blogs werden, gerade weil sie von jedermann und -frau ins Netz geworfen werden können, wohl immer ein Glaubwürdigkeitsproblem haben - man kann es auch gesunde Skepsis nennen. Aber einzelne Blogs und Bloganbieter (wie die Scilogs) erarbeiten sich schon jetzt zunehmend Anerkennung. Und können damit durchaus beachtete Beiträge zu einer zunehmend interaktiven Wissensgesellschaft leisten.
blume-religionswissenschaft - 26. Sep, 07:09



