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Donnerstag, 31. Juli 2008

Das neue Baby-Wunder... Huch, wir sind im Cicero!

"Das neue Baby-Wunder" titelt die August-Ausgabe des "Magazin für politische Kultur". Klar, dass man da als Forscher mit Schwerpunkt Religionsdemografie nicht dran vorbeigeht...

Und dann eine wirklich schöne Überraschung in der Titelgeschichte der Cicero-Ressortleiterin Salon, Christine Eichel.

Ich zitiere auf S. 88 / 89:

"Wie stark die mentalte Gestimmtheit und der Wertekanon die Neigung zur Familiengründung bestimmt, fand eine religionswissenschaftliche Forschungsgruppe der Universität Marburg heraus. Ihre überraschende Conclusio: Religiosität ist ein entscheidender demografischer Faktor.

Anlass war die Studie "World Value Survey" der amerikanischen Politikwissenschaftler Pippa Norris und Ronald Inglehart, die weltweit einen signifikanten Zusammenhang von Religiosität und Kinderreichtum feststellten. Auf der Basis einer ALLBUS-Umfrage von 2002 befragten die Marburger Forscher mehrere Hundert 35- bis 45-Jährige - und maßen den Grad der Religiosität im schönsten Statistikerdeutsch nach der "Bethäufigkeit". Wer nie betete, so ihre Analyse, hatte im Schnitt 1,39 Kinder, wer täglich Zwiesprache mit Gott hielt, jedoch 2,06 Kinder. Und sie folgerten daraus: "Religiös praktizierende Bevölkerungsschichten haben durchschnittlich deutlich mehr Kinder als jene, die ihre Religiosität nicht systematisch praktizieren oder sich selbst als nicht religiös betrachten."

Es wäre sicherlich kühn, die Wiederkehr der Religion als Faktor des neuen Babybooms zu behaupten, dennoch ist es weltweit ein bemerkenswertes Phänomen, dass säkulare Gesellschaften weniger Lust verspüren sich fortzupflanzen als solche, die im Glauben verwurzelt sind."

Ja, aber das ist doch...

...ja, genau - der Religion-Demografie-Artikel von Carsten Ramsel, Sven Graupner und mir im Marburg Journal of Religion (Download per Klick hier). Und hier auch der zitierte Datensatz als Grafik:

Auch in Deutschland haben verbindlich religiöse Menschen durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre säkularen Nachbarn. Das Verhältnis von Gebetshäufigkeit und durchschnittlicher Kinderzahl auf Basis der ALLBUS-Befragung Deutschland 2002.

Gut, wir haben nie in Marburg geforscht, sondern eben im dort angesiedelten Magazin unsere (frühe) Forschung veröffentlicht. Aber das ändert gar nichts an der Freude daran, dass die eigenen Arbeiten und Forschungen doch auch dort wahrgenommen werden, wo man gar nicht damit gerechnet hätte.

Danke, Cicero - und konkret danke, Frau Eichel!

Allerdings würde ich übrigens doch behaupten, dass die höhere Geburtenzahl Religiöser zur Wiederkehr der Religionen entscheidend beiträgt! Man schaue sich nur Befunde des Bertelsmann Religionsmonitor 2008 an - zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Religionssoziologie glauben inzwischen junge Erwachsene häufiger an ein Leben nach dem Tod als Senioren:
In der jungen Generation in Deutschland ist heute der Glaube an ein Leben nach dem Tod stärker ausgeprägt als in den älteren Generationen. Einer der vielen interessanten Befunde des Bertelsmann Religionsmonitor 2008.

Und wer sich auch noch dafür interessiert, was das alles sogar mit der Evolution der Religiosität zu tun haben könnte, findet z.B. ein Interview dazu hier.

So, und jetzt les ich mal einfach weiter...

Dr. Blume

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