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Mittwoch, 25. Juni 2008

Auf nach Basel - mit deutsch-türkischer Hymne! :-)

Schon in den schwarz-rot-goldenen Stammesfarben gewandet und bemalt, mache ich mich jetzt auf den Weg zum Geburtstagsgeschenk: Dem Fussball-Halbfinale Deutschland - Türkei in Basel!

Und wie es sich für einen christlichen Gutmenschen gehört, fahre ich gemeinsam mit einem lieben, deutsch-türkischen Freund (Zusatzvorteil: Keinerlei Gefahr von wegen Alkohol am Steuer! :-) ) und schwenke die deutsche Fahne der Freundschaft mitten im türkischen Block. Arkadaslar, mutluyum!

Zur Einstimmung schonmal die deutsche Nationalhymne in türkischer Gesangsversion! (Die türkischen Textteile sind übrigens ein Liebeslied...)

Und wie es mir ergangen ist, berichte ich vielleicht auch.

So, und jetzt das Ganze nochmal in "religionswissenschaftlich":

Heute nachmittag steht eine religionssoziologisch-ethnologische Exkursion in die benachbarte Republik der Schweiz an, deren religionsdemografische Zusammensetzung schon bislang den Schwerpunkt meiner wissenschaftlichen Forschungstätigkeit bildete. Der Zweck dieses Projekts, das durch Zuwendungen im Rahmen eines privaten Jahresrituals (Geburtstag) ermöglicht wurde, ist jedoch die teilnehmende Beobachtung an einem rituellen Spielereignis, das unter Einbeziehung mehrerer zehntausend Menschen vorwiegend christlicher, islamischer und konfessionsloser Religionszugehörigkeit in einem eigenes für rituelle Zwecke gestalteten Kultgebäude ("Stadion") begangen werden soll. Zur Einstimmung werden die identifikatorischen Hymnen der beiden beteiligten Stämme gespielt und gesungen, auch der demografische Aspekt des zivilreligiösen Aktes wird durch das demonstrative Mitführen von Kindern auf den Ritualplatz unterstrichen. Interessant wird auch selbst, sowohl in der Außen- wie Innenperspektive zu beobachten, wie sich die Identifikation mit dem deutschen Stamm gestaltet, die bis vor kurzem mit schweren und gut begründeten, zivilreligiösen Tabus belegt war.

Der Anteil der spielenden und in Stammes-Symbolfarben einheitlich gekleideten Akteure wird hierbei, wie seit Jahrzehnten etabliert, auf je 11 Spieler (ausnahmslos männlichen Geschlechts, die Frauen haben inzwischen eigene, entsprechende Rituale) beschränkt sein, die einen Ball mit ihren Füßen in einen eingenetzten Zielbereich (Tor) zu bugsieren haben. Spielbeginn und erfolgreiche, vom Schiedsrichter anerkannte Torschüsse dürfen durch religiöse Symbolhandlungen (Beten, Kreuzeschlagen etc.) markiert werden. Den Trainern steht das Recht der Nominierung zur Ritualteilnahme zu, sie sind aber während des Spiels auf einen markierten Bereich am Platzrand beschränkt - und Zuwiderhandlungen können mit Ritualausschlüssen geahndet werden.

Aber auch die zehntausenden Zuschauer werden als "zwölfter Mann" (man beachte die Analogie zu den Aposteln) ihrer jeweiligen Mannschaft betrachtet und es wird erwartet, dass sie durch Kleidung, Bemalung und ritualisierte Rufe und Gesänge Stammeszugehörigkeit und motivierende Unterstützung für "ihre" Mannschaft bekunden. Dabei bringen es die Migrationsprozesse der letzten Jahrzehnte mit sich, dass durchaus auch Trainer und Spieler mit Lebensmittelpunkten je in anderen Stammesgebieten dennoch zu Akteuren bestimmter Zugehörigkeit ernannt werden.

Über den spielerischen Ritualablauf hinaus ist natürlich auch das Umfeld von besonderem, religionssoziologischen Interesse: Wie werden die Gruppen interagieren? Wie wirkt sich der im Spielverlauf nachweisbar steigende Testosteronspiegel gewichtiger Männer auf deren Sozialverhalten aus? Wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut durch sachdienliche Hinweise zum Ritualgeschehen ihre auch zivilreligiöse Kompetenz unterstreichen können? Und werden die Menschen verschiedener Herkunft, Stammeszuschreibung und Religion(en) friedlich interagieren, vielleicht gar ein Gemeinsamkeiten betonendes Ritualereignis begehen können? Diese Fragen sind durch Feldforschung zu beantworten, ggf. würden die gewonnen Erkenntnisse zu einem Paper dar- und zur Diskussion gestellt.

Bislang isolierte Stämme in Lateinamerika - Was tun?

Berichte und besonders Fotos von der Entdeckung indigener Stämme im Amazonasgebiet von Brasilien, die bislang keinen Kontakt mit der "zivilisierten" Welt gehabt hätten und offensichtlich auch ablehnten, haben weltweit Interesse gefunden und Debatten ausgelöst. Schon gibt es eine ganze Reihe auch selbstgebastelter Fan-Videos, die eine eigenständige Faszination mit der Existenz dieser Menschen und ihrer Kultur belegen:



Und es wird - nicht nur in Brasilien und Peru - intensiv diskutiert: Soll man diese Stämme und die von ihnen bewohnten Regionen "in Ruhe lassen"? Warum? Und was ist von der These zu halten, die unkontaktierten Stämme seien nur eine Erfindung von Umweltschützern, um die Erschließung der Gebiete zu verhindern?

Ein Pro-Contra-Bericht von Nationalgeographic dazu:

http://video.nationalgeographic.com/video/player/news/culture-places-news/peru-indians-apvin.html

Persönlich habe ich durchaus eine Meinung zu diesem Thema, möchte aber zunächst einfach einmal hören (bzw. lesen), was Sie dazu denken. Wie sollte Ihrer Meinung nach der Umgang mit diesen Stämmen gestaltet (oder unterlassen?) werden?

Dr. Blume

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