Bedeutungszuwachs von Religion durch Migration - Beispiel chinesischer Zuwanderer in die USA
Als Faustregel kann gelten: Menschliche Migrationsbewegungen lösen erhöhte, religiöse Aktivität bei den Betroffenen und ihrer Umgebung aus. Dies gilt schon bei inländischen Wanderungen etwa vom Land in die Städte. Und in noch größerem Ausmaß beim Wechsel zwischen Nationen. Die großen Einwanderernationen werden also auch religiös angereichert und gewinnen an religiöser Vielfalt und Intensität.

Suche nach Gemeinschaft und Identität
Die Gründe für den Bedeutungszuwachs sind nicht schwer zu finden: Migranten verlassen die gewachsenen Familien- und Freundenetzwerke ihrer Heimat und begeben sich in eine fremde Umgebung. Damit entsteht unmittelbar ein doppelter Bedarf: Einmal an vertrauenswürdigen Beziehungen und zum zweiten an auch emotional ansprechender Orientierung. Entsprechend bilden die Vorstädte, in denen in- und ausländische Zuwanderer aufeinander treffen, den idealen Boden für religiöse Gemeinschaften aller Art, nicht selten auch in fundamentalistischen Varianten.

Aus evolutionsbiologischer Perspektive unterstreicht dies die adaptive (Anpassung fördernde) Wirkung religiöser Veranlagungen: der entwurzelte Mensch versucht in der neuen Situation Halt zu finden, sich seine Familie und Gemeinschaft reproduktiv erfolgreich zu stabilisieren.
Beispiel: Chinesische Zuwanderer in Kalifornien (USA)
Eine beeindruckende Fallstudie zum Zusammenhang von Religion(en) und Migration erstellte der chinesischstämmige (Religions-)Soziologe Ping Ren von der Universität Irvine (CA, USA). Im Marburg Journal of Religion 1/2007 veröffentlichte er seinen lesenswerten Bericht "Church or Sect? Exploring a Church of New Chinese Immigrants in Southern California" (pdf-Download hier).
Dieser Fall ist besonders interessant, da die Zuwanderer überwiegend aus dem atheistisch regierten China stammen und gleichzeitig in den USA einen entwickelten religiösen Markt antreffen.
Die Ergebnisse sind prägnant: Einerseits findet ein erheblicher Teil auch der atheistisch erzogenen Chinesen in den USA zu einer Glaubensgemeinschaft, andererseits bilden sich sogar spezialisierte, hier christliche Gemeinden, die die spezifischen Bedürfnisse der chinesischstämmigen Zielgruppen ansprechen. Dazu gehören Haus- und Gemeindekreise nach Herkunftsregionen, Alter, Lebensstand (z.B. unverheiratet, Familien), Bildungsstand, ja gar Arbeitsumfeld (z.B. eine eigene Fellowship für Nachtschichter).
Die Mitglieder finden so eine soziale Anschlussstelle und einander, die rigiden Lehren stabilisieren die Identitäten und Familienverhältnisse, gleichzeitig werden in einer Mischung aus Abgrenzung (z.B. chinesische Sprache) und Integration (z.B. christlicher Glauben, Kontakt mit anderen Gemeinden) Ressourcen zur Bewältigung des Übergangs aktiviert. Gerade auch weil es an tradierter Religiosität fehlt, fallen die religiösen Konversionen sogar anfangs besonders rigide, teilweise fundamentalistisch aus - oft erst nach Jahrzehnten oder in den Folgegenerationen kann eine liberalisierende Öffnung der nicht mehr bedrohten Identität erfolgen.
Eine globalisierte Welt mit massiven Migrationsströmen wird daher auch aus diesen Gründen eine durchschnittlich religiösere Welt sein.

Suche nach Gemeinschaft und Identität
Die Gründe für den Bedeutungszuwachs sind nicht schwer zu finden: Migranten verlassen die gewachsenen Familien- und Freundenetzwerke ihrer Heimat und begeben sich in eine fremde Umgebung. Damit entsteht unmittelbar ein doppelter Bedarf: Einmal an vertrauenswürdigen Beziehungen und zum zweiten an auch emotional ansprechender Orientierung. Entsprechend bilden die Vorstädte, in denen in- und ausländische Zuwanderer aufeinander treffen, den idealen Boden für religiöse Gemeinschaften aller Art, nicht selten auch in fundamentalistischen Varianten.

Aus evolutionsbiologischer Perspektive unterstreicht dies die adaptive (Anpassung fördernde) Wirkung religiöser Veranlagungen: der entwurzelte Mensch versucht in der neuen Situation Halt zu finden, sich seine Familie und Gemeinschaft reproduktiv erfolgreich zu stabilisieren.
Beispiel: Chinesische Zuwanderer in Kalifornien (USA)
Eine beeindruckende Fallstudie zum Zusammenhang von Religion(en) und Migration erstellte der chinesischstämmige (Religions-)Soziologe Ping Ren von der Universität Irvine (CA, USA). Im Marburg Journal of Religion 1/2007 veröffentlichte er seinen lesenswerten Bericht "Church or Sect? Exploring a Church of New Chinese Immigrants in Southern California" (pdf-Download hier).
Dieser Fall ist besonders interessant, da die Zuwanderer überwiegend aus dem atheistisch regierten China stammen und gleichzeitig in den USA einen entwickelten religiösen Markt antreffen.
Die Ergebnisse sind prägnant: Einerseits findet ein erheblicher Teil auch der atheistisch erzogenen Chinesen in den USA zu einer Glaubensgemeinschaft, andererseits bilden sich sogar spezialisierte, hier christliche Gemeinden, die die spezifischen Bedürfnisse der chinesischstämmigen Zielgruppen ansprechen. Dazu gehören Haus- und Gemeindekreise nach Herkunftsregionen, Alter, Lebensstand (z.B. unverheiratet, Familien), Bildungsstand, ja gar Arbeitsumfeld (z.B. eine eigene Fellowship für Nachtschichter).
Die Mitglieder finden so eine soziale Anschlussstelle und einander, die rigiden Lehren stabilisieren die Identitäten und Familienverhältnisse, gleichzeitig werden in einer Mischung aus Abgrenzung (z.B. chinesische Sprache) und Integration (z.B. christlicher Glauben, Kontakt mit anderen Gemeinden) Ressourcen zur Bewältigung des Übergangs aktiviert. Gerade auch weil es an tradierter Religiosität fehlt, fallen die religiösen Konversionen sogar anfangs besonders rigide, teilweise fundamentalistisch aus - oft erst nach Jahrzehnten oder in den Folgegenerationen kann eine liberalisierende Öffnung der nicht mehr bedrohten Identität erfolgen.
Eine globalisierte Welt mit massiven Migrationsströmen wird daher auch aus diesen Gründen eine durchschnittlich religiösere Welt sein.
blume-religionswissenschaft - 6. Mai, 06:46
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