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Montag, 28. April 2008

Von wegen Verdrängung: Germanen und Briten vermischten sich miteinander

Es passte so schön in die klassisch-sozialdarwinistischen Erzählungen: das Bild erobernder Angeln und Sachsen, die auf den britischen Inseln einfielen, die indigenen Kelten auch reproduktiv unterdrückten und damit schließlich dem Land den Stempel germanischer Rasse aufdrückten. Wie sonst ließ sich der hohe, genetisch-germanische Anteil unter heutigen Briten erklären, da doch die Invasion der Angeln und Sachsen nur bis Anfang des 8. Jahrhunderts und nur mit wenigen zehntausend Mann erfolgt war?



Auch Fantasyautoren wie Marion Zimmer Bradley haben das tragische Motiv feinsinnig feenverbundener Kelten und Pikten liebevoll gestaltet, die dann von groben, den technologischen und patriarchal-monotheistischen "Fortschritt" unbarmherzig erzwingenden Kontinentalen verdrängt wurden. Die Evolution nahm ihren Lauf und wir seufzten betroffen dem mythisch im Nebel entschwindenden Avalon nach...

Neuere Forschungen weisen jedoch auf ein winziges Problem hin: Das Szenario scheint so nicht zu stimmen. Wie spektrumdirekt hier meldete, wies inzwischen der Physiker (sic!) John Pattison darauf hin, dass die Kombination bereits bekannter Faktoren längst ein anderes Bild ergibt.

So hatten schon die Römer germanische Hilfstruppen über den Kanal geführt, die dort auch Familien gründeten und Nachkommen hinterließen. Und auch spätere, britische Herrscher holten immer wieder germanische Verbündete gegen Pikten, Skoten und Iren zu Hilfe. Die Angeln und Sachsen seien also keinesfalls auf eine ethnisch homogene Bevölkerung gestossen - Vermischungen hatte es bereits seit Jahrhunderten gegeben.

"Germanen unterwanderten britischen Genpool früh und ausdauernd", lautet denn auch der Titel von spektrumdirekt.

Auf die Vorstellung darwinistischer Kriege, Tragik, Gewalt, Machtkämpfen und vielleicht gar einem Reproduktions- und Überlebensvorteil technologisch, kulturell und religiös dominanter Invasoren braucht deswegen noch niemand zu verzichten. Aber die Realität dürfte doch weniger holzschnittartig als Konflikte entlang von Ethnien, Rassen oder Glaubensweisen, sondern mit sehr viel mehr Verbindungen und Vermischungen und ggf. einer bedeutenderen Rolle auch der Frauen stattgefunden haben. Die britische "splendid isolation" war wohl über Jahrhunderte hinweg sehr viel durchlässiger, als dies manches Geschichtsbild dies- und jenseits des Kanals wahrhaben wollte.

Dr. Blume

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