Rabbiner Leo Baeck zu Judentum, Christentum und Islam
Niemand wird den langjährigen Berliner Rabbiner Leo Baeck (1873 - 1956) jemals Blauäugigkeit und Naivität vorwerfen können: er durch- und überlebte noch in hohem Alter die NS-Herrschaft und das Konzentrationslager Theresienstadt und musste miterleben, welche Verbrechen Christen und Konfessionslose im Namen einer menschenverachtenden Ideologie verübten. Und er erlebte Entstehungsgeschichte und die frühen Kriege des Staates Israel gegen zahlenmäßig weit überlegene, muslimische Staaten.
Und dennoch verbitterte der große Gelehrte nicht. Im Jahre seines Todes, 1956, hielt er einen letzten, großen Vortrag: "Judentum, Christentum und Islam". Darin würdigte er seine wie auch die beiden anderen Religionen und entwarf die Vision eines von Frieden und Respekt geprägten miteinanders. Die Rede endet wie folgt:
"Im Christentum ist vieles groß. Jahrhundert um Jahrhundert hat es Menschen getröstet, erhoben, hat es Wohltun und Hingebung gepflegt, hat Hoffnung in ihnen aufrecht erhalten.
Im Islam ist vieles groß. Völker, die in der Barbarei und in Niedrigkeit lebten, hat er in eine höhere Sphäre erhoben, hat ihnen ein neues Leben geschenkt.
Wir Juden sollten das begreifen. Wir sollten Respekt hegen, und wir werden dann die Hoffnung hegen, dass dadurch, dass wir vor uns Respekt haben, die andern es lernen, vor uns Respekt zu hegen und zu sehen, wie wir sind.
Dann werden gute Tage kommen. Menschen und Völker und Bekenntnisse werden geschieden bleiben, werden in ihrer Besonderheit weiterleben, aber sie werden wissen, dass sie zusammen gehören, Teile der einen Menschheit sind, zusammenleben sollen auf dieser unserer Erde, einander sehend und einander verstehend, und, wenn es Not tut, einander helfend."
Gefunden in: Karl-Josef Kuschel - Juden, Christen, Muslime - Patmos 2007, S. 32
Anm.: Eine weitere, auch interreligiös ausstrahlende Weisheit rabbinischer Lehrer (ein Plädoyer für Religionsfreiheit!) findet sich am Beispiel des Rabbi Gamaliel auch in der Apostelgeschichte.
Und dennoch verbitterte der große Gelehrte nicht. Im Jahre seines Todes, 1956, hielt er einen letzten, großen Vortrag: "Judentum, Christentum und Islam". Darin würdigte er seine wie auch die beiden anderen Religionen und entwarf die Vision eines von Frieden und Respekt geprägten miteinanders. Die Rede endet wie folgt:
"Im Christentum ist vieles groß. Jahrhundert um Jahrhundert hat es Menschen getröstet, erhoben, hat es Wohltun und Hingebung gepflegt, hat Hoffnung in ihnen aufrecht erhalten.
Im Islam ist vieles groß. Völker, die in der Barbarei und in Niedrigkeit lebten, hat er in eine höhere Sphäre erhoben, hat ihnen ein neues Leben geschenkt.
Wir Juden sollten das begreifen. Wir sollten Respekt hegen, und wir werden dann die Hoffnung hegen, dass dadurch, dass wir vor uns Respekt haben, die andern es lernen, vor uns Respekt zu hegen und zu sehen, wie wir sind.
Dann werden gute Tage kommen. Menschen und Völker und Bekenntnisse werden geschieden bleiben, werden in ihrer Besonderheit weiterleben, aber sie werden wissen, dass sie zusammen gehören, Teile der einen Menschheit sind, zusammenleben sollen auf dieser unserer Erde, einander sehend und einander verstehend, und, wenn es Not tut, einander helfend."
Gefunden in: Karl-Josef Kuschel - Juden, Christen, Muslime - Patmos 2007, S. 32
Anm.: Eine weitere, auch interreligiös ausstrahlende Weisheit rabbinischer Lehrer (ein Plädoyer für Religionsfreiheit!) findet sich am Beispiel des Rabbi Gamaliel auch in der Apostelgeschichte.
blume-religionswissenschaft - 27. Feb, 06:49
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