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Freitag, 8. Februar 2008

Rückkehr der Religion - wohin? Gedanken zum Bertelsmann Religionsmonitor 2008

In Deutschland scheint es immer noch sehr schwierig, über Religion und Religionen vertieft zu diskutieren. Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit der Bertelsmann Religionsmonitor 2008: immerhin eine faktenreiche, wissenschaftliche Erhebung und Studie in 21 Ländern mit 21.000 Befragten!


Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung

Und was passiert? Es werden bislang immerhin schon mal die Überschriften gelesen - und zwar tendenziell so, wie es in das eigene Weltbild passt. Ein "Hinweis auf religiöse Erwartungen" - so freuen sich die einen, "70% der Bundesbürger religiös? Nein." halten die anderen dagegen. Dabei ist die letztgenannte Kritik des humanistischen Pressedienstes an Begriffsverwendungen durchaus nachvollziehbar (75% des möglichen Antwortvolumens sind als "religiös" verortet) - aber es ist schade, dass auch der hpd gar nicht tiefer in die Materie eindringt, sondern sich in seiner gesamten "Rezension" auf eine Auswertung von Pressemitteilung und pdf-Kurzfassung beschränkt...

Religiosität in der jungen Generation

Bei so viel Zerzupfen der Überschriften sind (wie schon in einer aktuellen BMI-Studie z.B. zum Thema Kopftuch) die wirklich spannenden Befunde noch kaum ins Blickfeld geraten. So geht der Anteil der "Hochreligiösen" in Deutschland von den ab 60jährigen (28%) bis zu den 30-39jährigen (10%) linear zurück - um dann bei den 18-30jährigen wieder auf 14% anzusteigen.

Vielleicht nur ein Ausrutscher aufgrund unscharfer Begriffe? Dann legen wir doch einfach überprüfend ein Sachthema an - beispielsweise die Frage, wer "sehr" an ein Leben nach dem Tode glaubt.

In der jungen Generation in Deutschland ist heute der Glaube an ein Leben nach dem Tod stärker ausgeprägt als in den älteren Generationen. Einer der vielen interessanten Befunde des Bertelsmann Religionsmonitor 2008.

Auch bei der Frage, ob es einen persönlichen Gott gibt, findet sich eine Zunahme unter den jüngsten: Stark und sehr stark bejahen dies 34% der 18-29jährigen, aber nur 30% der 30-39jährigen.

Auch diese Daten stärken nicht nur die These einer Rückkehr der Religion(en) - eine ganze Menge gängiger Theorien (etwa die, dass Religiosität vor allem aus der Angst vor dem Tod entspringe) halten dem Befund nicht statt. Hand aufs Herz: Wer hätte damit gerechnet, dass in Deutschland Jüngere inzwischen häufiger an ein Jenseits glauben als Senioren?

Auch problematische Seiten könnte das Ganze dabei durchaus auch aufzeigen: Während 80% der über 50-jährigen der Aussage zustimmen, dass das Leben durch Naturgesetze bestimmt wird - sind es bei den 40-49jährigen noch 79%, bei den 30-39jährigen nur 75% und bei den 18-29jährigen gar nur noch 68%!

Auch hier wäre natürlich weiter zu differenzieren, was eine Nichtzustimmung hier bedeutet; es könnte auch nur einen aufgeklärten Zweifel an einem allzu mechanistischen Weltbild ausdrücken. Allerdings findet sich auch ein Rückgang der religiösen Toleranz unter den Jüngeren... Mindestens teilweise dürften wir auch in Deutschland schon eine Entwicklung sehen, die europäischer Dünkel bislang nur auf die USA projizierte: Säkulare Darwinisten mögen mehr wissenschaftliche Argumente haben - aber verbindlich Religiöse (und damit auch Kreationisten) haben deutlich mehr Kinder. (Die Ironie in diesem Befund, dass sich nämlich Kritiker der Evolutionstheorie sehr viel biologisch erfolgreicher verhalten als die meisten selbsternannten "Ultradarwinisten", ist noch gar nicht aufgearbeitet...)

Auch in Deutschland haben verbindlich religiöse Menschen durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre säkularen Nachbarn. Das Verhältnis von Gebetshäufigkeit und durchschnittlicher Kinderzahl auf Basis der ALLBUS-Befragung Deutschland 2002.

Leider bezieht auch der Bertelsmann Religionsmonitor 2008 den Zusammenhang von Religion & Demografie noch nicht ein. So habe ich es auch nicht beim Bloggen belassen, sondern mit "Rückkehr der Religion - wohin?" in der Katholischen Sonntagszeitung dieser Woche auch für die demografisch-biografische Perspektive plädiert.

Denn mein persönliches Fazit: Wenn wir das Phänomen Religion wissenschaftlich und gesellschaftlich zunehmend besser verstehen und beschreiben wollen, müssten sowohl Hochreligiöse wie Nichtreligiöse stärker die Fakten sprechen lassen. Das Lesen und Diskutieren von Überschriften und Pressemeldungen ist ein Anfang, aber zum echten Verstehen wird es nicht reichen - Studien wie der Bertelsmann Religionsmonitor haben mehr vertiefte Beachtung verdient.

Dr. Blume

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