Donnerstag, 27. Dezember 2007

Ulrich Schnabel: Warum wir glauben müssen, in: ZEIT Wissen 01/2008

Offen geschrieben: sehr viele populärwissenschaftliche Artikel über die so genannte "Neurotheologie" (also die Erforschung und Deutung religiöser Phänomene mit Methoden der Neurowissenschaften) sind nicht wirklich lesenwerte Lektüre. Allzuoft werden dubiose "Befunde" kritiklos wiedergegeben oder vermeintliche "Sensationen" aneinander geklebt, ohne das Thema ernsthafter zu reflektieren.

Außerordentlich positiv überrascht hat jedoch die aktuelle Ausgabe von Die ZEIT Wissen 01/2008 zum Thema "Warum wir glauben müssen".

Gelungene, populärwissenschaftliche Aufarbeitung des "neurotheologischen" Kenntnisstandes - die Ausgabe 01/2008 der Zeitschrift ZEIT WISSEN mit dem Titelthema von Ulrich Schnabel.

Hier gelang dem Wissenschaftsjournalisten Ulrich Schnabel eine kompakte und dennoch sachgerechte Zusammenfassung des neurowissenschaftlichen Erkenntnisstandes zum Phänomen der Religion, das durch Statements verschiedener Personen aufgelockt wird. Oliver Schwarzwald steuerte eine recht eindrucksvolle Bebilderung bei.

Besonders verdienstvoll ist, dass Ulrich Schnabel die (jeweils desaströsen) Ergebnisse von Überprüfungsstudien dem deutschen Publikum zugänglich machte: etwa die Doppelblind-Studie zu Persingers Religionshelm von Pehr Granqvist und die Wiederholung der Newberg-Meditationsstudie durch Mario Beauregard. Zumal Ulrich Schnabels diesbezüglicher Artikelteil hier kostenfrei abrufbar ist, besteht die Hoffnung, dass Persinger und Newberg zukünftig etwas kritischer gelesen werden und das Niveau der Diskussionen zum Zusammenhang von Religion und Hirnforschung im deutschsprachigen Raum weiter steigt. Ein Dienst an der Wissenschaft, diese Titelgeschichte.

Also gar nichts zu meckern? Nun, schade fand ich es, dass Schnabel nur den Ist-Zustand diskutiert, sich aber kaum mit den Befunden zur Evolutionsgeschichte des Glaubens befasst. Warum entwickelte das menschliche Gehirn die (auch) religiösen Fähigkeiten, die es besitzt? Andererseits ist zuzugeben, dass solches kaum kurz abzuhandeln gewesen wäre und den Artikel wohl überladen und damit Qualität gekostet hätte. So bleibt als vorläufiges Fazit also: eine sehr lesenswerte Titelgeschichte, die Lust auf weitere Ausgaben zum Themenkreis Naturwissenschaft & Glauben macht!

Dr. Blume

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