Bill Napier: Nemesis
Im Bücherschrank eines Freundes fiel mir ein etwas älterer Wissenschaftsthriller auf, der interessant klang - und mich (nachdem ich ihn mir ausleihen durfte) auch prompt positiv überraschte.

Bill Napier ist selbst ein recht bekannter Asteroidenforscher und arbeitet in Nemesis sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse wie auch (merkbar) eigene Erfahrungen im Wissenschaftsbetrieb ein. Überraschenderweise gelingt ihm dabei aber ein außerordentlich spannender Erzählstil und sogar eine geschickte Überblendung der Jetztzeit (naja, des Ende des 20. Jahrhunderts) mit dem Schicksal eines von der Inquisition verfolgten Renaissance-Astronomen.
Die Story: das US-Militär meldet Hinweise darauf, dass Russlands Streitkräfte unter Präsident Schirinowski (sic!) einen Asteroiden Richtung USA manipuliert hätten. Und so wird eine Anzahl von NATO-Spitzenforschern unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit damit beauftragt, diesen Asteroiden ausfindig zu machen und Wege zu seiner Ablenkung auszutüfteln. Eine heiße Spur bildet dabei die Beobachtung eines kaum bekannten Renaissance-Astronomen, der seinerzeit als Ketzer verurteilt wurde. Aber umso tiefer die Forscher graben, umso mehr Widersprüche finden sie - und schließlich wird der Wettlauf mit der Zeit auch noch durch Morde überschattet...
Vorab: die Story ist nur fast realistisch, aber um Längen glaubwürdiger ausgearbeitet als in Deep Impact (den das Buch, wie auch vieles andere, augenzwinkernd zitiert). Der Plot enthält aber genug Überraschungen und Kurven, um auch hartgesottene Thrillerfans in Verzückung zu versetzen. Nur Napiers Versuche, Action- und Erotikszenen zu schildern, bleiben (fast rührend) ungelenk. Spannend geschildert sind aber die Wissenschaftlerdispute, in denen die Faszination astronomischer Forschung aufscheint. Und die erstaunlich breite Perspektive Napiers auf sein Feld wird dann deutlich, wenn er beschreiben kann, wie die Inquisition gegen Vertreter des kopernikanische Weltbild vorging - aber auch, was antike Philosophen und Theologen diskutiert und Giordano Bruno und Nikolaus von Kues bereits Jahrhunderte zuvor entdeckt und gelehrt hatten. Hier kommen sowohl Geistes- wie Naturwissenschaftler auf ihre Kosten!
Und auch der Umstand, dass Nemesis schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, beschert ein ganz eigenes Lesevergnügen: beinahe fassungslos durchlesen wir Situationen, die in der jüngsten Vergangenheit spielen - und die wir doch heute per W-Lan-Laptop oder Handy lösen würden. Das Buch informiert uns nicht nur darüber, wie schnell Asteroiden unsere Welt erreichen, wie sie sich ankündigen und was sie anrichten würden - sondern es lässt uns auch erfahren, wie schnell sich unser eigenes Lebensumfeld derzeit eigentlich verändert. Faszinierend.

Bill Napier ist selbst ein recht bekannter Asteroidenforscher und arbeitet in Nemesis sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse wie auch (merkbar) eigene Erfahrungen im Wissenschaftsbetrieb ein. Überraschenderweise gelingt ihm dabei aber ein außerordentlich spannender Erzählstil und sogar eine geschickte Überblendung der Jetztzeit (naja, des Ende des 20. Jahrhunderts) mit dem Schicksal eines von der Inquisition verfolgten Renaissance-Astronomen.
Die Story: das US-Militär meldet Hinweise darauf, dass Russlands Streitkräfte unter Präsident Schirinowski (sic!) einen Asteroiden Richtung USA manipuliert hätten. Und so wird eine Anzahl von NATO-Spitzenforschern unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit damit beauftragt, diesen Asteroiden ausfindig zu machen und Wege zu seiner Ablenkung auszutüfteln. Eine heiße Spur bildet dabei die Beobachtung eines kaum bekannten Renaissance-Astronomen, der seinerzeit als Ketzer verurteilt wurde. Aber umso tiefer die Forscher graben, umso mehr Widersprüche finden sie - und schließlich wird der Wettlauf mit der Zeit auch noch durch Morde überschattet...
Vorab: die Story ist nur fast realistisch, aber um Längen glaubwürdiger ausgearbeitet als in Deep Impact (den das Buch, wie auch vieles andere, augenzwinkernd zitiert). Der Plot enthält aber genug Überraschungen und Kurven, um auch hartgesottene Thrillerfans in Verzückung zu versetzen. Nur Napiers Versuche, Action- und Erotikszenen zu schildern, bleiben (fast rührend) ungelenk. Spannend geschildert sind aber die Wissenschaftlerdispute, in denen die Faszination astronomischer Forschung aufscheint. Und die erstaunlich breite Perspektive Napiers auf sein Feld wird dann deutlich, wenn er beschreiben kann, wie die Inquisition gegen Vertreter des kopernikanische Weltbild vorging - aber auch, was antike Philosophen und Theologen diskutiert und Giordano Bruno und Nikolaus von Kues bereits Jahrhunderte zuvor entdeckt und gelehrt hatten. Hier kommen sowohl Geistes- wie Naturwissenschaftler auf ihre Kosten!
Und auch der Umstand, dass Nemesis schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, beschert ein ganz eigenes Lesevergnügen: beinahe fassungslos durchlesen wir Situationen, die in der jüngsten Vergangenheit spielen - und die wir doch heute per W-Lan-Laptop oder Handy lösen würden. Das Buch informiert uns nicht nur darüber, wie schnell Asteroiden unsere Welt erreichen, wie sie sich ankündigen und was sie anrichten würden - sondern es lässt uns auch erfahren, wie schnell sich unser eigenes Lebensumfeld derzeit eigentlich verändert. Faszinierend.
blume-religionswissenschaft - 17. Nov, 06:19
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