Montag, 22. Oktober 2007

Udo Ulfkotte und die Wissenschaft!

Normalerweise freuen sich Wissenschaftler sehr, wenn ihre Arbeiten auch in populärwissenschaftlichen Büchern zustimmend aufgegriffen und zitiert werden. Normalerweise. Es gibt aber auch Ausnahmen. Eine davon heißt Udo Ulfkotte - und da er den Seminarbericht Islam 2030 über eines meiner Grundseminare an der Universität Tübingen gleich auf den ersten Seiten seines Buches "Heiliger Krieg in Europa" würdigt und zitiert, kann ich aus erster Hand beschreiben, wie dieser Autor arbeitet.



Wir hatten in dem Seminar Tübingen die Entwicklung des Islam in eine Vielzahl von Themenfeldern aufgegliedert, in Teamarbeiten mögliche Szenarien entworfen, diskutiert und abgestimmt. Im Ergebnis kamen sowohl hoffnungsvolle wie auch kritische Resultate (etwa zur Entwicklung einiger Stadtteile) zutage - einseitige Naivität oder das Verkennen von Problemen wird uns also niemand unterstellen können. Tut Ulfkotte auch gar nicht - im Gegenteil. Er lobt uns, greift aber "nur" die kritischen Passagen heraus und unterschlägt die positiven Aspekte. Auch ignoriert er die religionsdemografischen Einschätzungen (nach denen die Muslime zwar eine bedeutendere Minderheit nicht aber eine Mehrheit werden, siehe auch hier) und beruft sich stattdessen auf völlig unseriöse "Hochrechnungen", die kein ernsthafter Wissenschaftler irgendeiner deutschen Universität vertritt.

Die Machart ist völlig eindeutig: aus allen möglichen Quellen klaubt sich Ulfkotte ein völlig einseitiges, verzerrtes Verschwörungsgebäude zusammen, in dem wenig Wahrheit mit viel Islamophobie verrührt wird.

Und nicht wenige seiner Anhänger freuen sich, nach Jahren der Ächtung des Antisemitismus endlich gegen eine andere religiöse Minderheit wieder nach Herzenslust hetzen zu dürfen.

Antisemitismus und Islamophobie - zwei Seiten der gleichen Medaille

Nach der Lektüre von Ulfkotte bleibt mir nur, aus einem Vortrag an der katholischen Akademie Hohenheim zu zitieren:

"Daher braucht die oft verblüffende Ähnlichkeit antisemitischer und islamophober Klischees nicht zu verwundern, die früher Juden erlitten und die man jetzt - gegen Muslime - „wieder sagen darf“: sie entstammen den gleichen Ängsten.

Da ist etwa der friedfertige Jesus gegenüber dem Schwert schwingenden Moses bzw. jetzt Muhammad, der Christen friedfertig und Juden bzw. Muslime gewalttätig mache. Da ist das aufgeklärte Europa, Hort des Friedens, der Gerechtigkeit und des Fortschritts gegenüber dem vermeintlich finsteren Judentum bzw. heute Islam mit obskuren Sprachen und blutigen Ritualen, mehr Magie als Wissenschaft.

Christen hätten auch meistens die Religionsfreiheit geachtet, das Judentum bzw. heute der Islam die Christen dagegen von Anfang an verfolgt, wo immer Juden bzw. Muslime die Mehrheit gebildet hätten.

Und man vergleiche die freien, monogam heiratenden Frauen des Westens mit Klischees über Jüdinnen bzw. Musliminnen, die regelmäßig unterdrückt und gerne auch polygam verheiratet würden, was auch ihre bedrohlich hohe Kinderzahl erkläre. Die Verachtung der Frauen erkenne man im Übrigen auch daran, dass orthodoxe Rabbiner bzw. Imame Frauen nicht die Hand reichten.

Auch Tiere würden von Europäern sehr geliebt und geachtet, von den Juden bzw. heute Muslimen dagegen grausam gequält. Denn während der Christ in Gnade und Liebe Erlösung finde, bleibe das Judentum bzw. heute der Islam auf die Verrichtung kalter Werke und Bräuche fixiert.

Und während Christen den wahren, liebenden, dreieinigen Gott anbeten, könne man die Gewalttätigkeit des jüdischen bzw. heute islamischen Götzen schon in Passagen des Alten Testaments bzw. des Koran nachlesen.

Und natürlich darf auch die Weltverschwörung fantastischer Geheimorganisationen nicht fehlen, die einen Verdacht gegen jeden Juden bzw. heute jeden Muslim rechtfertige, zumal Juden und Muslime heimlich große Vermögen angehortet hätten. Also dürfe in deutschen Landen der Halacha bzw. heute Scharia kein Fußbreit eingeräumt werden und Signale wie etwa die Ausbreitung koscherer Restaurants oder das Überdenken von Sparschweinen angesichts zunehmend auch muslimischer Kunden durch Banken wird zum Fanal der jüdischen bzw. heute islamischen „Eroberung“. Synagogen bzw. heute Moscheen hätten in Innenstädten nichts zu suchen oder mindestens nicht als solche sichtbar zu sein.

Zumal heute einige Professoren der Theologie und historisch Kundige unter uns sind, möchte ich die Wette wagen, dass wir kein einziges antimuslimisches Vorurteil finden werden, dass es nicht in gleicher oder doch sehr ähnlicher Form auch bereits gegen die jüdische Minderheit gegeben hat.

Und um die Lage vollends komplex zu machen, haben wir inzwischen längst auch islamischen Antisemitismus und jüdische Islamophobie im Lande - denn auch Angehörige von Minderheiten unterliegen natürlich entsprechenden Ängsten, die vor allem durch den Nahostkonflikt immer wieder angeheizt werden."

Dr. Blume

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