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Sonntag, 22. Juli 2007

Die tragische Kinderarmut des Buddhismus

Auch in Europa genießt der Buddhismus höchstes Ansehen aufgrund seiner Friedfertigkeit, wenn auch differenziertere Analysen (inklusive z.B. Sri Lankas, Tibets, Japans oder Thailands) durchaus auch Beispiele für Gewalt-, Unterdrückungs- und Kriegsbereitschaft sowie auch Terrorattentaten mit "buddhistischer" Rechtfertigung aufzeigen.

Und doch ist wohl keine Weltreligion bisher so selten politisch und militärisch mißbraucht worden wie der Buddhismus. Das Vertrauen, das westliche Menschen mit dieser Religion verbinden, wird auch daran deutlich, dass sogar Fluglinien mit dem Buddha werben.

Keine Religion genießt auch unter säkularen Europäern soviel Vertrauen wie der Buddhismus. Auch Fluglinien werben daher schon mal mit dem Buddha.

Und nach Schätzungen der Deutschen Buddhistischen Union praktizieren derzeit bereits rund 250.000 Menschen in Deutschland mehr oder minder regelmäßig buddhistisch - je etwa zur Hälfte Deutsche und Zuwanderer. Wird Europa, vielleicht gar die Welt also buddhistisch?

Die demografische Schwäche des Buddhismus

Dies ist religionsdemografisch doch eher unwahrscheinlich. Denn der Buddhismus zielt letztlich auf die je individuell zu erreichende Loslösung von der als leidvoll erfahrenen Welt - die letzten Schritte zum Nirwana sind allein zu gehen: nicht mehr eigene Kinder oder die Kinder anderer stehen im Mittelpunkt aktiven Handelns, sondern die analytisch-meditierende Befreiung des nach Erleuchtung Suchenden von allem Sein.

Natürlich hat der real existierende Volksbuddhismus personale Akteure (wie Bodhisatvas, Götter etc.) oft auch mit Familienbezügen aufgenommen und Wege gefunden, auch das Familienleben von Laien aufzuwerten (sonst wäre er längst untergegangen): da nur Menschen die Erleuchtung erreichen können, kann es z.B. (auch karmisch) verdienstvoll sein, Kindern die Chance zu geben, in einer buddhistischen Umgebung aufzuwachsen, buddhistische Kinder können für ihre Ahnen Verdienste erwerben etc.

Und doch wurde der Buddhismus in Indien vom (mindestens derzeit geburtenstärkeren) Hinduismus bereits wieder aufgesogen, bevor seine letzten Schwerpunkte dem Vormarsch des Islam zum Opfer fielen. In anderen Regionen vermischte er sich mit (demografisch stärkeren) vorbuddhistischen Religionen bzw. dünnte zu einem "Zusatzanbieter" religiöser Handlungen aus. Und auch in Europa bleibt ihm ein nachhaltiges Aufblühen bislang versagt: nach den Daten der Schweizer Volkszählung bildet der Buddhismus mit nur 1,42 Kindern pro Frau die geburtenschwächste aller Religionen, die (noch) mehrheitlich von Zuwanderern gebildet werden und liegt damit sogar unter dem Schweizer Durchschnitt und also weit hinter Freikirchen, Judentum, Islam und Hinduismus.

Lebendgeburten pro Frau nach Religionszugehörigkeit, Schweizer Zensus 2000, alle Kategorien. Es zeigt sich, dass "alle" religiösen Gemeinschaftskategorien durchschnittlich deutlich mehr Kinder erreichen als die Konfessionslosen.
(Alle mit * gekennzeichneten Gemeinschaften bestehen noch mehrheitlich aus Zuwanderern. Der Buddhismus ist die schwächste und einzige Gemeinschaft unterhalb des Schweizer Durchschnitts. Klick führt zu einem Vortrag zum religionsdemografischen Wettbewerb.)

Fazit

Zur Friedfertigkeit des Buddhismus trägt die religionsdemografische Schwäche sogar bei: denn aus buddhistischer Legitimation entstehen seltener jene Bevölkerungsexplosionen, deren junge Männer dann zur auch gewaltförmigen Eroberung bereit sind. Solange sich aber auch in den europäischen Städten fast nur buddhistische Zentren entwickeln, aber bisher kaum buddhistische Kindergärten und Schulen gebildet und nachgefragt werden (immerhin gibt es ersten, buddhistischen Religionsunterricht inzwischen in Berlin), ist das ein Zeichen dafür, dass kaum mit einem nachhaltigen Wachstum zu rechnen ist. Wer (wie der Autor dieses Blogs) sowohl Friedfertigkeit wie auch religiöse Vielfalt und Wettbewerb ausdrücklich schätzt, kann dies durchaus bedauern.

Dr. Blume

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