Warum wurden die Europäer global dominant, und nicht z.B. Afrikaner, Indianer oder Aborigines?
Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Antwort darauf gerade auch in den gebildeten Schichten Europas einhellig: der religiöse Teil verwies auf das Christentum und also göttliche Erwählung, der säkulare Teil im Gefolge von Charles Darwin und sogar seines friedfertigeren Mitentdeckers Alfred Russel Wallace auf die (vermeintliche) Überlegenheit der weißen Rasse.
Doch modernere Erkenntnisse ließen mindestens an der zweiten These schon deswegen Zweifel aufkommen, weil der moderne Homo Sapiens erst vor weniger als 100.000 Jahren Afrika verließ und ältere Menschenzweige verdrängte - massive, biologische Unterschiede wären aber in diesem kurzen Zeitraum außerordentlich unwahrscheinlich.
Vor einigen Jahren präsentierte Jared Diamond im absolut lesenswerten "Guns, Germs and Steel" (deutsch: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften) eine brillante These, die den Zusammenhang von Geografie und kultureller Evolution (siehe F.A. von Hayek) aufzeigte.

Auf die Geografie kam es an!
Diamond war aufgefallen, wie unterschiedlich die Landmassen angelegt sind: nur Eurasien hat eine riesige West-Ost-Achse, die anderen Kontinente und Inselregionen dagegen überwiegend Nord-Süd-Gefälle.
Das aber bedeutete: beginnend im Fruchtbaren Halbmond (mit den vor kurzem entdeckten, noch vor-seßhaften Kultbauten bei Göbekli Tepe) konnten Menschen bald auf Erfahrungen und Erfindungen, Pflanzen und Tiere zurück greifen, die aus riesigen Räumen der gleichen Klimazone von China bis Spanien gewonnen und ausgetauscht worden waren - man denke etwa an die Route der späteren Seidenstraße. Auch Krankheitserreger (etwa verschiedene Pestepidemien) breiteten sich immer wieder entlang dieser West-Ost-Route aus, rafften Unzählige hinweg, hinterließen dann aber auch Resistenzen.
Nach dem Aufblühen früher Stadtkulturen konnte das Mittelmeer als sogar besonders günstige "Straße" für den Austausch von Menschen, Gütern, Ideen und Entwicklungen (wie der Schrift) fungieren. Wie der Name auch überliefert, bildete es die "Mitte" zahlreicher kultureller und politischer Größen wie Ägypten, Griechenland, Rom und (für die Entfaltung des Monotheismus maßgebend) Israel. Auch der Islam und später das Osmanische Reich verknüpften entlang der West-Ost-Achse bald Europa bis China und Indien und bescherten der Mittelmeerregion unter anderem die arabischen Ziffern, den Rosenkranz und Vertiefungen von Mathematik, Mystik und Baukunst. Die Zutaten zur dynamischen Entwicklung einer erweiterten Ordnung (Hayek) waren angerichtet und konnten binnen weniger Jahrtausende "zünden" und schließlich eine Dominanz Europas bis in unsere Zeit begründen.
Anders in den anderen Weltregionen
Amerika ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich sowohl im nördlichen wie im südlichen Teil der Landmassen zwar beeindruckende Kulturen entwickeln konnten - aber jeweils (zu) lange voneinander isoliert blieben. Pflanzen (wie der Mais) oder Tiere (wie das Lama) wurden innerhalb ihrer jeweiligen Klimazonen kultiviert, fanden aber nicht bzw. zu langsam über die abertausenden von Meilen der Nord-Süd-Unterschiede hinweg zusammen. Der Handel, Austausch und also die kulturelle Evolution blieben gehemmt, auch deswegen entstanden kaum Völker-übergreifende Religionen, Schriftsprachen etc. Und auch Krankheiten blieben auf schmale, klimatische Streifen beschränkt - was natürlich erst einmal angenehm war, aber zum Desaster wurde, als landende Europäer ein ganzes Bündel von Krankheitserregern zu den Völkern brachten, die dagegen nie hatten Resistenzen entwickeln können. Die Wissenschaft streitet noch darüber, wie viele Millionen Ureinwohner von mitgebrachten (und bald auch teilweise gezielt verbreiteten!) Epidemien dahingerafft wurden, ohne je selbst einen Europäer gesehen zu haben...
Auch in Afrika bildeten sich sowohl nördlich wie südlich der Sahara frühe, beeindruckende Kulturen - aber blieben innerhalb ihrer sehr unterschiedlichen Klimazonen zu stark voneinander isoliert. Das Gleiche galt für die Bewohner Australiens und der zahlreichen Inseln, zwischen denen also Handel und der Austausch kultureller Entwicklungen nur vereinzelt stattfand.
Fazit
Nicht eine (empirisch schlicht nicht nachweisbare) rassische Überlegenheit der Kaukasier (wie Weiße in den USA genannt werden), sondern das Glück günstiger Geografie und ihre entschlossene Nutzung durch Handel, Austausch und auch Religion(en) machten Eurasien und dann insbesondere dessen westliche "Halbinsel" zum Schauplatz früher Globalisierung und also dynamischer, kultureller Evolution. Nicht also Abschottung, Wirtschafts- und Fremdenfeindlichkeit, sondern Mut zum Dazulernen, zum auch ökonomischen Wettbewerb und zu Handel, Austausch und Dialog haben die menschliche Entfaltung beflügelt - und tun es noch.
Doch modernere Erkenntnisse ließen mindestens an der zweiten These schon deswegen Zweifel aufkommen, weil der moderne Homo Sapiens erst vor weniger als 100.000 Jahren Afrika verließ und ältere Menschenzweige verdrängte - massive, biologische Unterschiede wären aber in diesem kurzen Zeitraum außerordentlich unwahrscheinlich.
Vor einigen Jahren präsentierte Jared Diamond im absolut lesenswerten "Guns, Germs and Steel" (deutsch: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften) eine brillante These, die den Zusammenhang von Geografie und kultureller Evolution (siehe F.A. von Hayek) aufzeigte.

Auf die Geografie kam es an!
Diamond war aufgefallen, wie unterschiedlich die Landmassen angelegt sind: nur Eurasien hat eine riesige West-Ost-Achse, die anderen Kontinente und Inselregionen dagegen überwiegend Nord-Süd-Gefälle.
Das aber bedeutete: beginnend im Fruchtbaren Halbmond (mit den vor kurzem entdeckten, noch vor-seßhaften Kultbauten bei Göbekli Tepe) konnten Menschen bald auf Erfahrungen und Erfindungen, Pflanzen und Tiere zurück greifen, die aus riesigen Räumen der gleichen Klimazone von China bis Spanien gewonnen und ausgetauscht worden waren - man denke etwa an die Route der späteren Seidenstraße. Auch Krankheitserreger (etwa verschiedene Pestepidemien) breiteten sich immer wieder entlang dieser West-Ost-Route aus, rafften Unzählige hinweg, hinterließen dann aber auch Resistenzen.
Nach dem Aufblühen früher Stadtkulturen konnte das Mittelmeer als sogar besonders günstige "Straße" für den Austausch von Menschen, Gütern, Ideen und Entwicklungen (wie der Schrift) fungieren. Wie der Name auch überliefert, bildete es die "Mitte" zahlreicher kultureller und politischer Größen wie Ägypten, Griechenland, Rom und (für die Entfaltung des Monotheismus maßgebend) Israel. Auch der Islam und später das Osmanische Reich verknüpften entlang der West-Ost-Achse bald Europa bis China und Indien und bescherten der Mittelmeerregion unter anderem die arabischen Ziffern, den Rosenkranz und Vertiefungen von Mathematik, Mystik und Baukunst. Die Zutaten zur dynamischen Entwicklung einer erweiterten Ordnung (Hayek) waren angerichtet und konnten binnen weniger Jahrtausende "zünden" und schließlich eine Dominanz Europas bis in unsere Zeit begründen.
Anders in den anderen Weltregionen
Amerika ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich sowohl im nördlichen wie im südlichen Teil der Landmassen zwar beeindruckende Kulturen entwickeln konnten - aber jeweils (zu) lange voneinander isoliert blieben. Pflanzen (wie der Mais) oder Tiere (wie das Lama) wurden innerhalb ihrer jeweiligen Klimazonen kultiviert, fanden aber nicht bzw. zu langsam über die abertausenden von Meilen der Nord-Süd-Unterschiede hinweg zusammen. Der Handel, Austausch und also die kulturelle Evolution blieben gehemmt, auch deswegen entstanden kaum Völker-übergreifende Religionen, Schriftsprachen etc. Und auch Krankheiten blieben auf schmale, klimatische Streifen beschränkt - was natürlich erst einmal angenehm war, aber zum Desaster wurde, als landende Europäer ein ganzes Bündel von Krankheitserregern zu den Völkern brachten, die dagegen nie hatten Resistenzen entwickeln können. Die Wissenschaft streitet noch darüber, wie viele Millionen Ureinwohner von mitgebrachten (und bald auch teilweise gezielt verbreiteten!) Epidemien dahingerafft wurden, ohne je selbst einen Europäer gesehen zu haben...
Auch in Afrika bildeten sich sowohl nördlich wie südlich der Sahara frühe, beeindruckende Kulturen - aber blieben innerhalb ihrer sehr unterschiedlichen Klimazonen zu stark voneinander isoliert. Das Gleiche galt für die Bewohner Australiens und der zahlreichen Inseln, zwischen denen also Handel und der Austausch kultureller Entwicklungen nur vereinzelt stattfand.
Fazit
Nicht eine (empirisch schlicht nicht nachweisbare) rassische Überlegenheit der Kaukasier (wie Weiße in den USA genannt werden), sondern das Glück günstiger Geografie und ihre entschlossene Nutzung durch Handel, Austausch und auch Religion(en) machten Eurasien und dann insbesondere dessen westliche "Halbinsel" zum Schauplatz früher Globalisierung und also dynamischer, kultureller Evolution. Nicht also Abschottung, Wirtschafts- und Fremdenfeindlichkeit, sondern Mut zum Dazulernen, zum auch ökonomischen Wettbewerb und zu Handel, Austausch und Dialog haben die menschliche Entfaltung beflügelt - und tun es noch.
blume-religionswissenschaft - 21. Jul, 01:03
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