Die Theorie des religiösen Marktes
Durch einen Tip bin ich auf den hochkarätigen Blog Wirtschaftliche Freiheit gestossen, der mit Artikeln von renommierten Ökonomen bestückt wird.
Und prompt fiel mir der spannende Artikel von Rainer Hank zu Die säkulare Täuschung: Anmerkungen zur Theorie religiöser Märkte ins Auge.
Die Theorie vom Markt der Religionen...
...hat soviel Erklärungs- und Sprengkraft, dass sie von ihren Gegnern meist besonders heftig attackiert wird. Es freute mich daher ungemein zu lesen, dass es heute noch (und wieder) Ökonomen gibt, die den Mut haben, diesen Ansatz weiter zu verfolgen!
Worum geht es? Kritiker des "religiösen Marktes" werfen natürlich schnell ein, jetzt solle wohl auch noch die Religion "ökonomisiert" und "verwertet" werden. Dabei ist das komplette Gegenteil der Fall:
Die Theorie des religiösen Marktes nimmt stattdessen einfach Ernst, dass Menschen sehr unterschiedliche religiöse Bedürfnisse haben: die eine sucht vielleicht eine intensive und verbindliche Gemeinschaft, der andere eher unverbindliche Anregungen für die persönliche Sinnsuche in frei gewählten "Auszeiten", eine dritte die Betonung von Familienwerten, ein vierter Denkwege und Rituale für die individuelle Erlösung etc.
Die Überlegung ist jetzt: wenn es nur einen oder sehr wenige entwickelte Anbieter gibt (also ein Monopol oder Kartell herrscht), werden sich auf Dauer mangels geeigneter Angebote "weniger" Menschen religiös betätigen als wenn es eine Angebotsvielfalt gibt, die auch ganz unterschiedliche Menschen anspricht.
...entsteht durch und dient der Freiheit der Menschen
Es geht also gerade darum, den Menschen davor zu schützen, von (monopolistisch herrschenden) Institutionen verzweckt zu werden, sondern ihm umgekehrt zu erlauben, in Freiheit selbst zu entscheiden, ob und wo sie oder er sich religiös betätigen. Und damit werde, so die Theorie, auch die Qualität der Anbieter verbessert: denn Gemeinschaften, die sich "am religiösen Markt" behaupten müssten, könnten nicht mehr einfach mit den Mächtigen kuscheln und die einfachen Leute verachten, sondern müssten sich darauf konzentrieren, überzeugend und glaubwürdig zu sein.

Hank formuliert prägnant: "Je offener und wettbewerblicher eine Gesellschaft religiösen Angeboten ihren Raum lässt, die religiöse Nachfrage der Bürger zu befriedigen, umso dynamischer wird das religiöse Leben ausfallen."
Und inzwischen spricht eine wachsende Zahl empirischer Befunde dafür, dass dieser Zusammenhang tatsächlich besteht - etwa die anhaltend religiöse Lebendigkeit der USA oder Indiens gegenüber dem Verfall religiösen Lebens zum Beispiel im Iran. Auch die Entwicklung Südamerikas und Europas kann so erklärt werden: durch Monopol- und Kartellkirchen sowie atheistische Ideologien lange unterdrückt, bricht sich jetzt gerade auch durch die (in Europa v.a. demografisch !) wachsende Vielfalt Religiosität zunehmend wieder Bahn und führt zu einer merkbaren, diesmal pluralen Wiederbelebung von Religiosität. Erste Angebote von Freikirchen, Islam oder Buddhismus sind inzwischen in fast allen Großstädten Deutschlands zu finden und wecken auch die "etablierten" (und rechtlich noch klar privilegierten) Kirchen zunehmend aus ihrer Trägheit.
Erweiterung um die reproduktive Funktionalität
In einem gewissen Sinne muss man die Theorie des religiösen Marktes nur noch (wie auch von Friedrich August von Hayek vermutet) um den reproduktiven Nutzen ergänzen: dauerhaft erfolgreiche Religionsgemeinschaften zeichnen sich durch ebenso verbindliche wie lebensnahe Familienmodelle aus und erreichen so weit überdurchschnittliche Geburtenraten. Dann wird auch klar, warum Homo Oeconomicus das Beten lernte - wer religiös ist, ist (natürlich nur durchschnittlich) biologisch klar im Vorteil. Das gilt über indirekte Verwandtenselektion sogar häufig für Märtyrer und Menschen im Zölibat.
Oder, in Kurzform aufgezeigt: Die (um Demografie erweiterte) Theorie des religiösen Marktes erklärt nicht nur empirische Beobachtungen sehr genau, sondern zeigt darüber hinaus auf, warum Religion(en) dann (und nur dann!) lebensförderlich wirken können, wenn sie sich in Vielfalt und Wettbewerb in einem rechtsstaatlich-freiheitlichen Rahmen bewähren. Bestimmte Religionen staatlich zu privilegieren oder sogar Konkurrenten mit staatlicher Gewalt "auszuschalten" ist dagegen der sicherste Weg, um Religionen, Religiosität und schließlich auch die Demografie der betroffenen Völker schwer zu beschädigen.
Und prompt fiel mir der spannende Artikel von Rainer Hank zu Die säkulare Täuschung: Anmerkungen zur Theorie religiöser Märkte ins Auge.
Die Theorie vom Markt der Religionen...
...hat soviel Erklärungs- und Sprengkraft, dass sie von ihren Gegnern meist besonders heftig attackiert wird. Es freute mich daher ungemein zu lesen, dass es heute noch (und wieder) Ökonomen gibt, die den Mut haben, diesen Ansatz weiter zu verfolgen!
Worum geht es? Kritiker des "religiösen Marktes" werfen natürlich schnell ein, jetzt solle wohl auch noch die Religion "ökonomisiert" und "verwertet" werden. Dabei ist das komplette Gegenteil der Fall:
Die Theorie des religiösen Marktes nimmt stattdessen einfach Ernst, dass Menschen sehr unterschiedliche religiöse Bedürfnisse haben: die eine sucht vielleicht eine intensive und verbindliche Gemeinschaft, der andere eher unverbindliche Anregungen für die persönliche Sinnsuche in frei gewählten "Auszeiten", eine dritte die Betonung von Familienwerten, ein vierter Denkwege und Rituale für die individuelle Erlösung etc.
Die Überlegung ist jetzt: wenn es nur einen oder sehr wenige entwickelte Anbieter gibt (also ein Monopol oder Kartell herrscht), werden sich auf Dauer mangels geeigneter Angebote "weniger" Menschen religiös betätigen als wenn es eine Angebotsvielfalt gibt, die auch ganz unterschiedliche Menschen anspricht.
...entsteht durch und dient der Freiheit der Menschen
Es geht also gerade darum, den Menschen davor zu schützen, von (monopolistisch herrschenden) Institutionen verzweckt zu werden, sondern ihm umgekehrt zu erlauben, in Freiheit selbst zu entscheiden, ob und wo sie oder er sich religiös betätigen. Und damit werde, so die Theorie, auch die Qualität der Anbieter verbessert: denn Gemeinschaften, die sich "am religiösen Markt" behaupten müssten, könnten nicht mehr einfach mit den Mächtigen kuscheln und die einfachen Leute verachten, sondern müssten sich darauf konzentrieren, überzeugend und glaubwürdig zu sein.

Hank formuliert prägnant: "Je offener und wettbewerblicher eine Gesellschaft religiösen Angeboten ihren Raum lässt, die religiöse Nachfrage der Bürger zu befriedigen, umso dynamischer wird das religiöse Leben ausfallen."
Und inzwischen spricht eine wachsende Zahl empirischer Befunde dafür, dass dieser Zusammenhang tatsächlich besteht - etwa die anhaltend religiöse Lebendigkeit der USA oder Indiens gegenüber dem Verfall religiösen Lebens zum Beispiel im Iran. Auch die Entwicklung Südamerikas und Europas kann so erklärt werden: durch Monopol- und Kartellkirchen sowie atheistische Ideologien lange unterdrückt, bricht sich jetzt gerade auch durch die (in Europa v.a. demografisch !) wachsende Vielfalt Religiosität zunehmend wieder Bahn und führt zu einer merkbaren, diesmal pluralen Wiederbelebung von Religiosität. Erste Angebote von Freikirchen, Islam oder Buddhismus sind inzwischen in fast allen Großstädten Deutschlands zu finden und wecken auch die "etablierten" (und rechtlich noch klar privilegierten) Kirchen zunehmend aus ihrer Trägheit.
Erweiterung um die reproduktive Funktionalität
In einem gewissen Sinne muss man die Theorie des religiösen Marktes nur noch (wie auch von Friedrich August von Hayek vermutet) um den reproduktiven Nutzen ergänzen: dauerhaft erfolgreiche Religionsgemeinschaften zeichnen sich durch ebenso verbindliche wie lebensnahe Familienmodelle aus und erreichen so weit überdurchschnittliche Geburtenraten. Dann wird auch klar, warum Homo Oeconomicus das Beten lernte - wer religiös ist, ist (natürlich nur durchschnittlich) biologisch klar im Vorteil. Das gilt über indirekte Verwandtenselektion sogar häufig für Märtyrer und Menschen im Zölibat.
Oder, in Kurzform aufgezeigt: Die (um Demografie erweiterte) Theorie des religiösen Marktes erklärt nicht nur empirische Beobachtungen sehr genau, sondern zeigt darüber hinaus auf, warum Religion(en) dann (und nur dann!) lebensförderlich wirken können, wenn sie sich in Vielfalt und Wettbewerb in einem rechtsstaatlich-freiheitlichen Rahmen bewähren. Bestimmte Religionen staatlich zu privilegieren oder sogar Konkurrenten mit staatlicher Gewalt "auszuschalten" ist dagegen der sicherste Weg, um Religionen, Religiosität und schließlich auch die Demografie der betroffenen Völker schwer zu beschädigen.
blume-religionswissenschaft - 19. Jul, 18:41
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