Lebten die Aborigines schon immer im Einklang mit der Natur?
Das Buch "Traumfänger" von Marlo Morgan ist sehr lesenswert, weil sich hier ein (halb-legendärer) Erfahrunsbericht einer (westlichen) Frau von einem "spirituellen Walkabout" mit Aborigines durch Australien mit erkennbar "westlichen" Ideen, Projektionen und Idealisierungen verbindet. Dem aufmerksamen Leser wird so recht eindringlich klar, wie sehr sich in der Rekonstruktion des Anderen auch immer das Eigene spiegelt - und wie sehr gerade im religiösen Bereich scheinbar scharfe Kanten auch verschwimmen können...
Zu Morgans Erfahrungsbericht gehört die Vermutung, "schon immer" hätten die Aborigines "im Einklang mit der Natur" gelebt und sie hätten "nie ein Tier ausgerottet".
Aus heutiger Sicht muss dies differenzierter betrachtet werden. Nachdem Menschen vor ca. 35.000 Jahren von Norden her Australien erreichten, starb innerhalb weniger Jahrhunderte die dort seit Jahrmillionen evolvierende Megafauna aus: darunter Riesenkänguruhs, große Beuteltiere, Laufvögel und Großreptilien. Es gibt keine seriöse Alternativerklärung zum Einfluss des Menschen, der vergleichbar auch in Amerika zunächst die Großtiere erlegte, die ihm (auch mangels Fluchtreflexen und Ausweichzonen) nicht gewachsen waren.
Hatten sich in Afrika und dem eurasischen Gürtel Frühmenschen und Tiere noch in einem langen Nebeneinander entwickelt, das vielen Tierarten das Ausweichen ermöglichte, so trafen die Tierwelten Amerikas und Australiens bereits direkt auf moderne Homo sapiens im Besitz von Werkzeugen, Fallen und Fernwaffen. Und diese Homo sapiens hatten eben noch keine ökologische Balance entwickeln müssen, sondern zunächst jene "Geschenke der Natur" einfach angenommen - bis diese ausgestorben waren.
Aber in den folgenden Jahrzehntausenden, in denen die Einwohner die Landmasse nachhaltiger besiedelten, dabei zunehmend auf Gruppenterritorien und immer feinere Nahrungsressourcen zurückgreifen mussten, entwickelte sich im Prozess kultureller Evolution tatsächlich ein intensives Wissen und eine enge Verbundenheit mit dem (jeweiligen) Land, seiner Flora und Fauna, die unseren Respekt verdient.
Wir können als Menschen in den dünn besiedelten Zustand der Vergangenheit nicht zurück - etwas, was sich im übrigen auch die meisten Nachfahren von Aborigines oder amerikanischen Natives gar nicht mehr wünschen würden. Aber nichts hindert uns daran, miteinander in Dialog und Respekt zu lernen und die symbolischen Wahrheiten auch der Stammesreligionen als beeindruckende Produkte kultureller Evolution zu schätzen. Es sei noch einmal daran erinnert, dass auch Sir James Frazer, obwohl von der Überlegenheit des "europäisch-rationalen Denkens" tief überzeugt, doch nicht umhin konnte, den verborgenen Nutzen des vermeintlichen "Aberglaubens" der Urvölker anzuerkennen. (Siehe z.B. "Psyche's Task" (1909), Download hier)
Insofern wundert der Verkaufserfolg von "Traumfänger" (engl. "Mutant Message Down Under") nicht, drückt sich darin doch zum einen eine Ahnung von der Würde des transzendent Erfahrenen, zum anderen aber auch eine Sehnsucht vieler Menschen aus. Nach Friedrich August von Hayek wäre dabei von einem Atavismus als Überrest unserer Anpassung an die prägende Lebenswelt unserer wildbeutenden Vorfahren zu sprechen - ein vorrationales "Ziehen" hin zu jenen Umständen, in denen unsere Vorfahren sich bewährten und auf die unsere Vorfahren über tausende von Generationen hinweg angepasst wurden.
Daher tut uns die Erfahrung gut: Im Anderen begegnen wir uns immer wieder selbst...
Zu Morgans Erfahrungsbericht gehört die Vermutung, "schon immer" hätten die Aborigines "im Einklang mit der Natur" gelebt und sie hätten "nie ein Tier ausgerottet".
Aus heutiger Sicht muss dies differenzierter betrachtet werden. Nachdem Menschen vor ca. 35.000 Jahren von Norden her Australien erreichten, starb innerhalb weniger Jahrhunderte die dort seit Jahrmillionen evolvierende Megafauna aus: darunter Riesenkänguruhs, große Beuteltiere, Laufvögel und Großreptilien. Es gibt keine seriöse Alternativerklärung zum Einfluss des Menschen, der vergleichbar auch in Amerika zunächst die Großtiere erlegte, die ihm (auch mangels Fluchtreflexen und Ausweichzonen) nicht gewachsen waren.
Hatten sich in Afrika und dem eurasischen Gürtel Frühmenschen und Tiere noch in einem langen Nebeneinander entwickelt, das vielen Tierarten das Ausweichen ermöglichte, so trafen die Tierwelten Amerikas und Australiens bereits direkt auf moderne Homo sapiens im Besitz von Werkzeugen, Fallen und Fernwaffen. Und diese Homo sapiens hatten eben noch keine ökologische Balance entwickeln müssen, sondern zunächst jene "Geschenke der Natur" einfach angenommen - bis diese ausgestorben waren.
Aber in den folgenden Jahrzehntausenden, in denen die Einwohner die Landmasse nachhaltiger besiedelten, dabei zunehmend auf Gruppenterritorien und immer feinere Nahrungsressourcen zurückgreifen mussten, entwickelte sich im Prozess kultureller Evolution tatsächlich ein intensives Wissen und eine enge Verbundenheit mit dem (jeweiligen) Land, seiner Flora und Fauna, die unseren Respekt verdient.
Wir können als Menschen in den dünn besiedelten Zustand der Vergangenheit nicht zurück - etwas, was sich im übrigen auch die meisten Nachfahren von Aborigines oder amerikanischen Natives gar nicht mehr wünschen würden. Aber nichts hindert uns daran, miteinander in Dialog und Respekt zu lernen und die symbolischen Wahrheiten auch der Stammesreligionen als beeindruckende Produkte kultureller Evolution zu schätzen. Es sei noch einmal daran erinnert, dass auch Sir James Frazer, obwohl von der Überlegenheit des "europäisch-rationalen Denkens" tief überzeugt, doch nicht umhin konnte, den verborgenen Nutzen des vermeintlichen "Aberglaubens" der Urvölker anzuerkennen. (Siehe z.B. "Psyche's Task" (1909), Download hier)
Insofern wundert der Verkaufserfolg von "Traumfänger" (engl. "Mutant Message Down Under") nicht, drückt sich darin doch zum einen eine Ahnung von der Würde des transzendent Erfahrenen, zum anderen aber auch eine Sehnsucht vieler Menschen aus. Nach Friedrich August von Hayek wäre dabei von einem Atavismus als Überrest unserer Anpassung an die prägende Lebenswelt unserer wildbeutenden Vorfahren zu sprechen - ein vorrationales "Ziehen" hin zu jenen Umständen, in denen unsere Vorfahren sich bewährten und auf die unsere Vorfahren über tausende von Generationen hinweg angepasst wurden.
Daher tut uns die Erfahrung gut: Im Anderen begegnen wir uns immer wieder selbst...
blume-religionswissenschaft - 19. Jun, 22:24



